Ryanair streicht wegen Corona-Krise bis zu 3000 Stellen

Ins Auge gefasst werden den Angaben zufolge außer der Streichung von bis zu 3000 Stellen bei Piloten und Kabinenpersonal auch unbezahlter Urlaub, Lohnkürzungen von bis zu 20 Prozent sowie die Schließung einiger Standorte in Europa. Auch die Bestellung neuer Maschinen komme auf den Prüfstand.
Die Fluggesellschaft rechnet damit, dass im April, Mai und Juni nur ein Prozent ihrer geplanten Flüge tatsächlich stattfindet. Die Kundenachfrage werde sich voraussichtlich erst im Sommer 2022 erholen.
„Die Lage ist düster“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary dem Sender Bloomberg TV. Sein Unternehmen werde in diesem Jahr voraussichtlich weniger als 100 Millionen Passagiere statt wie geplant 154 Millionen Passagiere befördern. Er erwarte, dass die Regierungen in Europa ab Juli wieder einen normalen Flugbetrieb zulassen. Der Konzernchef will nach eigenen Angaben bis März 2021 auf 50 Prozent seines Gehalts verzichten.
Dem Sender BBC sagte O’Leary, der geplante Stellenabbau sei „das Minimum, das wir brauchen, um die kommenden zwölf Monate zu überleben“. Wenn nicht bald ein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gefunden werde und die Nachfrage nach Flügen wieder zunehme, sei Ryanair voraussichtlich zu weiteren Stellenstreichungen gezwungen.
Die britische Gewerkschaft Unite rief den Konzern zu einem Verzicht auf den Stellenabbau auf. Ryanair habe umfangreiche Rücklagen und sei besser für die Bewältigung von Krisen ausgestattet als andere Unternehmen, argumentierte die Arbeitnehmervertretung.
British Airways hatte diese Woche angekündigt, 12.000 und damit mehr als ein Viertel seiner Stellen zu streichen. Die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic bemüht sich im Kampf ums Überleben um Staatshilfen – bislang vergeblich.
Trotz der Luftfahrt-Krise schoss die britische Regierung am Freitag ein Hilfsprogramm eigens für diese Branche aus. Fluggesellschaften profitierten wie andere Unternehmen von den Programmen zur Rettung von Arbeitsplätzen und zum Schutz vor Einkommensverlusten, sagte ein Regierungssprecher.
Die Coronavirus-Pandemie trifft die Luftfahrtbranche schwer, der Flugverkehr ist weltweit massiv zurückgegangen. Auch Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa steckt in der Krise.
Beim Londoner Großflughafen Heathrow führt unter anderem die Corona-Krise nach Betreiberangaben dazu, dass der Bau einer dritten Startbahn um „mindestens zwei Jahre“ verschoben werde. Bislang war geplant gewesen, 2022 mit dem auf vier Jahre veranschlagten Bau der dritten Startbahn zu beginnen. Für die Verzögerung sorgt auch eine Klage von Umweltaktivisten gegen das Bauvorhaben, der ein Gericht Ende Februar stattgab. Die Heathrow-Betreiberfirma legte Berufung ein.
Mert Öztürkmen