Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat der deutschen Wirtschaft in einer am 2. Oktober in Rostock gehaltenen und veröffentlichten Rede eine spürbare Erholung bescheinigt, zugleich aber vor anhaltend schwachen Wachstumskräften gewarnt. Nach seiner Einschätzung hat sich die Konjunktur im ersten Halbjahr 2026 besser entwickelt als noch vor wenigen Monaten erwartet.
Nagel hält es für möglich, dass Deutschland im Jahresdurchschnitt ein reales Wachstum von etwa einem Prozent erreicht. Nach drei Jahren weitgehenden Stillstands wäre das ein deutliches Signal. Als Stützen nannte er zusätzliche staatliche Ausgaben des Bundes, unter anderem für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz, sowie eine robuste Auslandsnachfrage, von der die Exportwirtschaft profitiert.

Die aktuelle Einschätzung passt zur Herbstprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Sie erwarten für 2026 ein Plus des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Im Frühjahr hatten die Institute noch mit 0,6 Prozent gerechnet. Damit fällt die Erholung aus heutiger Sicht kräftiger aus, bleibt aber von strukturellen Problemen begleitet.
Genau darauf legte Nagel den Schwerpunkt seiner Rede. Das Produktionspotenzial Deutschlands wächst nach Bundesbank-Schätzung 2026 nur um 0,4 Prozent. Vor rund zehn Jahren habe das mittel- bis langfristige Trendwachstum noch drei- bis viermal so hoch gelegen. Als Ursachen nennt die Bundesbank den Renteneintritt der Babyboomer, geringe Investitionen und schwache Produktivitätszuwächse.
Für mehr Dynamik fordert Nagel bessere Erwerbsanreize, weniger Hürden für Unternehmen, eine stärker digitale Verwaltung und geordnete Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Die Botschaft ist damit zweigeteilt: Die Konjunktur liefert kurzfristig positive Nachrichten, doch ohne Reformen droht der Aufschwung nach Einschätzung der Bundesbank unter seinem möglichen Tempo zu bleiben.
Nachrichtenstand der Quellen: 2026-10-04. Mit KI-Unterstützung erstellt. Die Bilder sind KI-generierte Symbolbilder und dokumentieren kein tatsächliches Ereignis.